Die Frage nach dem Eigenkapital ist eine der wichtigsten bei jeder Baufinanzierung. Wie viel sollten Sie angespart haben, bevor Sie eine Immobilie kaufen? Geht es auch ohne Eigenkapital? Und welche Alternativen gibt es? Als unabhängiger Baufinanzierungsberater in Bochum mit über 500 Bankpartnern kennen wir die Antworten – und die Konditionen, die zu Ihrer Situation passen.
Eigenkapital bei der Baufinanzierung: So viel brauchen Sie wirklich
Die Faustregeln für Eigenkapital
Banken und Finanzierungsberater empfehlen in der Regel mindestens 20–30 % des Kaufpreises als Eigenkapital einzubringen. Warum diese Bandbreite?
- Kaufnebenkosten (10–15 %): Grunderwerbsteuer (6,5 % in NRW), Notar- und Grundbuchkosten (ca. 2 %), Maklerprovision (bis 3,57 %) – diese Kosten sollten komplett aus dem Eigenkapital finanziert werden, da Banken sie nicht beleihen.
- Zusätzlicher Eigenkapitalanteil (10–15 %): Reduziert den Beleihungsauslauf auf unter 80 %, was zu deutlich besseren Zinskonditionen führt.
Praxis-Tipp: Jedes Prozent Eigenkapital über der 60-%-Beleihungsgrenze spart bares Geld. Bei einer Finanzierung von 300.000 € kann der Zinsunterschied zwischen 60 % und 90 % Beleihung bis zu 0,5 Prozentpunkte ausmachen – das sind über 10 Jahre rund 15.000 € Zinsersparnis.
Eigenkapital-Szenarien: Drei Beispiele aus dem Ruhrgebiet
Was bedeuten die Faustregeln konkret? Hier drei realistische Szenarien für den Immobilienkauf im Ruhrgebiet:
| Szenario | Kaufpreis | Nebenkosten (ca. 12 %) | Empf. Eigenkapital (20 %) | Empf. Eigenkapital (30 %) | Finanzierungssumme (bei 20 % EK) |
|---|---|---|---|---|---|
| Eigentumswohnung in Wattenscheid | 150.000 € | 18.000 € | 30.000 € | 45.000 € | 138.000 € |
| Einfamilienhaus in Dortmund-Aplerbeck | 300.000 € | 36.000 € | 60.000 € | 90.000 € | 276.000 € |
| Reihenhaus in Bochum-Weitmar | 450.000 € | 54.000 € | 90.000 € | 135.000 € | 414.000 € |
Die Nebenkosten variieren je nach Maklerprovision. Die Tabelle zeigt Richtwerte – für Ihre individuelle Berechnung beraten wir Sie gern kostenlos.
Baufinanzierung ohne Eigenkapital – die 100-%-Finanzierung
Ja, eine Baufinanzierung ohne oder mit wenig Eigenkapital ist möglich. Einige Banken bieten sogenannte Vollfinanzierungen an, bei denen der komplette Kaufpreis finanziert wird. Die Kaufnebenkosten müssen jedoch fast immer aus eigenen Mitteln bezahlt werden.
Voraussetzungen für eine 100-%-Finanzierung:
- Sehr gute Bonität (sicheres, überdurchschnittliches Einkommen)
- Unbefristetes Arbeitsverhältnis, idealerweise seit mindestens 2 Jahren
- Keine negativen SCHUFA-Einträge
- Die Immobilie selbst muss werthaltig sein (gute Lage, guter Zustand)
Wichtig zu wissen: Eine Vollfinanzierung ist teurer. Der Zinsaufschlag liegt typischerweise bei 0,3–0,8 Prozentpunkten gegenüber einer Finanzierung mit 20 % Eigenkapital. Bei 300.000 € Darlehen kann das über die gesamte Laufzeit 30.000–50.000 € Mehrkosten bedeuten.
Ob eine Vollfinanzierung für Sie sinnvoll ist, hängt von Ihrer individuellen Situation ab. In manchen Fällen – etwa bei niedrigen Immobilienpreisen in Stadtteilen wie Gelsenkirchen oder Wattenscheid – kann sich eine Vollfinanzierung lohnen, wenn die Mietersparnis die Mehrkosten übersteigt.
Eigenkapitalersatz: Alternativen zum klassischen Sparkonto
Nicht jeder hat 50.000 € oder mehr auf dem Sparkonto. Glücklicherweise gibt es verschiedene Möglichkeiten, Eigenkapital aufzubauen oder zu ersetzen:
Bausparverträge
Ein zuteilungsreifer Bausparvertrag zählt als Eigenkapital. Die angesparte Summe und das günstige Bauspardarlehen verbessern Ihre Finanzierungsstruktur. Ideal, wenn Sie den Immobilienkauf längerfristig planen.
Privatdarlehen von Familie
Geld von Eltern oder Verwandten wird von den meisten Banken als Eigenkapitalersatz anerkannt, sofern es zins- und tilgungsfrei ist. Lassen Sie die Vereinbarung schriftlich festhalten – das erleichtert die Bankprüfung.
Arbeitgeberdarlehen
Einige Arbeitgeber bieten Mitarbeiterdarlehen zu günstigen Konditionen an. Diese werden häufig als Eigenkapitalersatz akzeptiert.
Wohn-Riester (Eigenheimrente)
Das angesparte Guthaben eines Riester-Vertrags kann für den Immobilienkauf entnommen werden. Zulagen und Steuervorteile bleiben erhalten. Besonders attraktiv für Familien mit Kindern.
Eigenleistungen (Muskelhypothek)
Bei Neubauten oder Sanierungen erkennen Banken handwerkliche Eigenleistungen als Eigenkapitalersatz an – typischerweise bis zu 15 % der Bau-/Sanierungskosten. Realistisch einschätzen lassen sich Maler-, Boden- und einfache Trockenbauarbeiten.
Tipps: So bauen Sie Eigenkapital schneller auf
Sie möchten in 2–5 Jahren eine Immobilie kaufen? Mit diesen Strategien beschleunigen Sie den Eigenkapitalaufbau:
- Automatisches Sparen: Richten Sie einen Dauerauftrag auf ein separates Tagesgeld- oder Festgeldkonto ein. Mindestens 10–15 % des Nettoeinkommens.
- Sonderzahlungen nutzen: Weihnachtsgeld, Boni und Steuererstattungen direkt auf das Sparkonto überweisen.
- Kosten optimieren: Versicherungen, Abonnements und laufende Kosten einmal jährlich prüfen. Oft lassen sich 100–300 € pro Monat einsparen.
- Bausparvertrag abschließen: Nutzen Sie die Arbeitnehmersparzulage und Wohnungsbaupräamie für systematisches Bausparen.
- Frühzeitig KfW-Förderung prüfen: Einige Programme erfordern den Antrag VOR dem Kaufvertrag.
Häufige Fragen zum Eigenkapital
Kann ich ohne Eigenkapital eine Immobilie kaufen?
Was zählt alles als Eigenkapital?
Wie wirkt sich mehr Eigenkapital auf den Zinssatz aus?
Wie viel Eigenkapital brauche ich in NRW mit 6,5 % Grunderwerbsteuer?
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